Goldman Sachs sucht Vergleich
Goldman Sachs verdient Milliarden mit dubiosen Derivatgeschäften. Einst war sie das Vorzeigehaus der Wallstreet. Heute ist sie das Übel einer ganzen Nation. Keine andere Bank macht soviel Gewinn wie sie, jetzt muss sich Goldman Sachs einer Klage der Börsenaufsicht stellen.
Was macht man wenn man sehr viel Geld, kein Gewissen und jede Menge Leichen im Keller hat? So weiter wie bisher. Was macht man wenn man dafür angeklagt wird? Man kauft sich frei. Jüngstes Beispiel: Daimler. Der deutsche Autokonzern wurde beschuldig Amtsträger in den USA und anderen Ländern bestochen zu haben, um sich selber millionenschwere Aufträge zu sichern. Doch Daimler kam im Frühjahr diesen Jahres mit einem blauen Auge davon: 185 Millionen Dollar musste man an das US-Justizministerium zahlen, zuzüglich gewisser Auflagen. Damit war die Sache vom Tisch.
Solche Vergleiche sind bei Global Playern an der Tagesordnung. Denn Prozesse die grobe Fehltritte aufzeigen sind ein PR-Gau für Konzerne. Deswegen bezahlt man lieber eine Summe die vielleicht nicht einmal 10% der Jahreseinnahmen beträgt und ist dann relativ glimpflich weggekommen. Genauso versucht es die wohl einflussreichste Investmanbank der Welt gerade: Goldman Sachs.
Banker von Gottes Gnaden
Alles begann Mitte diesen Monats. Am 16. April hatte die US-Wertpapieraufsicht SEC Anklage gegen die Wallstreet-Bank eingereicht. Goldman wird vorgeworfen Klienten wissentlich ein faules Finanzprodukt verkauft zu haben, um dann im Nachhinein auf dessen Wertverfall zu wetten. Die Bank machte doppelten Profit, die Klienten Verluste in Milliardenhöhe. Ein Opfer dieser Geschäfte: die deutsche Mittelstandsbank IKB.
Aus diesem Grund mussten sich führende Goldman-Manager, sowie der im Mittelpunkt des Skandal stehende Trader Fabrice Tourre, vor wenigen Tagen vor dem US-Senat rechtfertigen. In diesem elfstündigen Verhör prallten Welten aufeinander. Banker gegen Politiker, Wallstreet gegen Mainstreet, “Bockige Schuljungen” (”New York Times”) gegen wütende Senatoren. Die einstigen Wunderkinder der Nation sind zu einem Geschwür geworden, welches die Politik nicht so recht bekämpfen kann. Die Banker sind sich keiner Schuld bewusst. Die Kunden wären allesammt über das Risiko aufgeklärt gewesen, man bediene nur die Wünsche der Kunden und so weiter und so fort. Goldman Sachs, welche hervoragende Verbindungen in die höchsten Etagen der US-amerikanischen Politik besitzt, bestreitet alles, weicht aus, relativiert – trotz der überaus scharfen Fragen der Senatoren.
Die “Skandalbank” im Fadenkreuz der Ermittler
Doch so unschuldig die Bank sich auch gibt – man weiß in den Vorstandsetagen dass man sich selbst aus der Schusslinie schaffen muss. Zuviel publicity ist schlecht fürs Geschäft. Also macht Goldman das, was alle Multis machen: sie kaufen sich frei. Gestern schrieb die “New York Post” mit Bezug auf nicht näher genannte Quellen innerhalb des betreffenden Umfeldes, dass es als “fast sicher” gelte, “dass es einen Vergleich geben wird”. Man will das Problem also nun zügig aus der Welt schaffen, mit Geld geht das scheinbar am schnellsten.
Nur ein paar Details am Rande. Goldman Sachs war die Bank welche Griechenland vor dem Euroeintritt half die Bücher zu frisieren. Goldman Sachs war, als direkter Konkurrent der Pleitebank Lehman Brothers, einer der größten Profiteure des Immobilien Crashes von 2008. Goldman Sachs hat bei der mittlerweile staatlichen Versicherung AIG eine Rechtskostenversicherung abgeschlossen. Die amerikanischen Steuerzahlen zahlen also für Anklage und Verteidigung von Goldman im aktuellen Prozess. Keine weiteren Fragen.
Veöffentlicht: April 30th, 2010 unter Allgemein.
Tags: versicherungen, wirtschaft