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Die schwarzen Schafe der Wall Street

Die Welle an Ermittlungen gegen führende Banken der Wall Street baut sich immer höher auf. Nachdem auch andere Häuser in das Fadenkreuz der Ermittler gelangten, wird nun in der “New York Times” über einen branchenübergreifenden Vergleich spekuliert. Aufklärung? Fehlanzeige.

© Claudia Hautumm / PIXELILO

© Claudia Hautumm / PIXELILO

Als man Goldman Sachs an den globalen Pranger stellte, wurde die Bank in ihrem Image als “Bad Boy” der Branche geradezu bestätigt. Bei dem Ganzen darf man aber nicht vergessen, dass neben Goldman Sachs als schwarzes Schaf der Wall Street, die übrige Schafsherde alles andere als weiß ist. Warum also nur das “schwärzeste” unter ihnen untersuchen? Das haben sich wohl auch die amerikanischen Behörden gedacht, denn in den USA wurden nun von Bundesstaatsanwaltschaften, dem Justizministerium, sowie mehrerer Aufsichtsbehörden parallel Ermittlungen gegen die führenden Häuser der Wall Street aufgenommen. Darunter sind auch Europäische Banken vertreten, wie etwa die Deutsche Bank, die UBS und die Credit Suisse. Auch die drei größten Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch müssen sich auf Vernehmungen einstellen.

Große Ziele

Diese Offensive hat zwei Ziele: allgemein will man die Finanzkrise, in der wir uns noch immer befinden, aufarbeiten und die Schuldigen finden. Im Deatil aber will man den unlauteren Praktiken der Banken im Hypothekengeschäft auf den Grund gehen. Denn allen im Visier stehenden Banken wird, wie zuerst Goldman Sachs, vorgeworfen gewisse Hypothekenpapiere kreiert zu haben, um dann später auf ihren Werteverfall zu wetten. Dies geschah natürlich nur intern, denn den Kunden wurden diese Papier als sicher und vielversprechend verkauft.

So nobel die Absichten der Behörden auch sind, viel Erfolg versprechen sich die Wenigsten von diesen Maßnahmen. Denn nicht nur für die Banken steht viel auf dem Spiel. Auch dem Staat, welcher sich in der aktuellen Krise als handlungsfähig positionieren will und muss, droht der Gesichtsverlust, sollte das Ganze vor Gericht scheitern. Denn die Hürden für solche Prozesse sind hoch, die Ermittlungen nicht gerade einfach und die Erfolgschancen, wie gesagt, äußerst ungewiss. Hinzu kommt, dass die Finanzbranche zu den größten Wahlkampfspendern in den USA zählt, was die Ausübung von Druck ebenfalls nicht sonderlich erleichtert.

Kleine Chancen

“Ich wäre äußerst erstaunt, wenn irgendeiner dieser Fälle vor Gericht enden würde”, so Frank Partnoy, Rechtsprofessor an der Universität von San Diego, gegenüber der “New York Times”. So wird es wohl auf auf das hinauslaufen, über das schon bei Goldman Sachs spekuliert wurde: einen Vergleich. So eine bankenübergreifende Zahlung gab es schon einmal und das nicht vor allzu langer Zeit. 2002 schlossen zehn Wall Street Banken einen Vergleich über 1,4 Milliarden Euro ab. Damals ging es um Interessenkonflikte im Aktiengeschäft. Die Analysten empfahlen bankenintern schlecht eingestufte Aktien, nur um die jeweiligen Unternehmen nicht zu vergraulen, oder sie als Neukunden zu gewinnen.

© Martina Taylor / PIXELILO

© Martina Taylor / PIXELILO

Trotz Brisanz und Tragweite des Themas sind die Chancen auf eine lückenlose Aufklärung verschwindend gering. Der Rattenschwanz ist zu groß, zu viele Banken würden zu viel verlieren. Egal ob Gesichts-, Kunden-, oder Kapitalverlust, der Einsatz ist hoch, das Risiko des Scheiterns vor Gericht ebenfalls. Egal von welcher Seite, Staat oder Banken, man das Ganze betrachtet, ein Vergleich ist für die Beteiligten der Weg des geringsten Widerstandes. Diese Erkenntnis ist traurig, müsste doch dem Staat alles daran liegen die Ursachen der schlimmsten Krise seit dem zweiten Weltkrieg aufzudecken und die Schuldigen zu bestrafen. Denn auch wenn ein zwei- bis dreistelliger Milliardenbetrag ein hübscher Bonus für die Staatskassen ist, das Geld kann bei einer Verschärfung der aktuellen Wirtschaftssituation schnell wieder weg sein.

(via)

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